Von der Knochenmühle zum Erholungsgebiet

Löderburger See

von Manfred Lehrmann, Löderburg

Die Geschichte des Tagebaues beginnt mit dem Bedarf an Kohle, der für die aufstrebende und sich rasant entwickelnde Industrie immer größer wurde. Heute gehört der Tagebau zu den größten Seen von Löderburg.

Die Dampfmaschine wurde von James Watt erfunden und stand als Kraftmaschine schon 1769 zur Verfügung. Aber diese musste ja mit Brennmaterial gefüttert werden, damit sie ihre Kraft entfalten konnte. Das heimische Holz hatten die Salzsieder inzwischen verarbeitet und verheizt, um das "weiße Gold" zu gewinnen. Um 1900 entwickelte sich die Elektroenergie, die aber noch in den Kinderschuhen stand. Sie war ein anderer Kraftspender, der sich so nach und nach in allen Bereichen durchsetzte und die Dampfkraft ablöste. Es fehlten aber noch viele Erfindungen, um diese Elektroenergie im Kohlebergbau einsetzen zu können. Aber um diese Energie erzeugen zu können, brauchte man ja auch die Kohle und der war man seit 1840 auf der Spur. Jedoch war um diese Zeit die menschliche Körperkraft noch die billigste Arbeitsenergie. Die Tiefbaukohleschächte in der Egelner Mulde spielten schon damals eine Vorreiterrolle in der Entwicklung des Kohlebergbaues. Was hier ausprobiert wurde, galt bald überall als Standard in den Schächten.

Im Laufe der Jahre gab es viele Veränderungen, von der Muskelkraft zum Pferd, zum Kratzer, die das Los des Bergmanns erträglicher machten. Auch die Wandlung der Form der Schachtröhren vollzog sich von hier aus - von der viereckigen aus Holz gezimmerten zur runden aus Stein gemauerten Schachtröhre. In Athensleben bohrte man 1846 nach Kohle, in der Nähe des einstigen Friedhofs. Dort war man in 30,7 m fündig, ein Flöz von 13,7 m Stärke lag da in Mutter Erde. Und viele Bohrungen folgten und gaben Aufschluss über die Mächtigkeit der Kohle in unserer Region. 130 Millionen Tonnen haben die Bohrungen um Löderburg ermittelt. Von 1860 bis 1862 bohrte man im Gelände des heutigen Tagebaues nach Kohle. Denn ein Stück weiter in Richtung Athensleben und Groß Börnecke hatte man schon vor langer, langer Zeit beim Pflügen Kohle ähnliche schwarze Erde zu Tage gebracht. Die Bauern konnten damit nichts anfangen. Man war noch nicht soweit zu erkennen, dass die Erde einen Schatz verbirgt. Wissenschaftler fanden dann heraus, dass hier Kohle liegen muss. In der Tertiärzeit entstand sie, und die war vor 50 - 60 Millionen Jahren. Das Material, aus denen einmal Kohle werden kann, ist hier einst gewachsen und vermoort und die Millionen Jahre haben dann Kohle daraus werden lassen.

Die Bohrungen, die man zwischen Börnecke und Löderburg durchführte, waren auch erfolgreich. In einer Tiefe von 15-20 Metern fand man die erste Kohle. Wie erfreut war man, dass das Kohleflöz 15 Meter stark war. Als man dann weiter bohrte, fand man noch mal ein Flöz. Nun musste die Fläche für die Erschließung des Tagebaues erworben werden. Zwischen 1913 und 1915 waren die Kaufverhandlungen erfolgreich abgeschlossen. Damit war der Weg frei für den Abbau der dringend benötigten Kohle. Die Kohleförderung in dem benachbarten Abbaufeld "Jacob", zu denen die Gruben Paul, Philipp und Rudolph gehörten, förderten nicht mehr ausreichend Kohle. Die in Staßfurt geteuften Schächte und die Salz verarbeitenden Betriebe hatten einen enormen Bedarf an Brennmaterial.

Der Kalibergbau begann sich in der Staßfurter Region schnell zu entwickeln. Arbeitskräfte strömten aus allen Ecken Deutschlands nach Staßfurt und Umgebung, denn hier fanden sie Brot und eine neue Heimat. Ab 1916 begannen die Abraumarbeiten, die kostbare Muttererde der Börde, sie wurde in die Fluren von Börnecke, Athensleben und Löderburg auf die Äcker verteilt. Fachleute haben errechnet, dass ein Tagebau in Löderburg günstig wäre, denn das Abraumverhältnis von 3 : 1 zur Kohle sei kostengünstig. Die bereits vorhandene kleine Abraumhalde der Jakobsgrube wurde mit dem Abraum des Tagebaues erweitert. Es gab keinen anderen Platz, wo man den Abraum hinkarren konnte. Da, wo ein Abbaufeld war, ging es nicht und wo Kohle lag auch nicht, und die Wege sollten auch noch kurz sein. Der Volksmund hatte auch gleich einen Namen für das aufgeschüttete Erdreich: "die Kippe". Später wurde sie aufgeforstet und war einst die gepflegte grüne Lunge Löderburgs, mit Bänken und so etwas wie einer Sonntagsflaniermeile. Wer etwas Trubel haben wollte, ging ohnehin zum Gänsefurther Busch. Hier konnte man sich austoben und das Tanzbein schwingen.

Für die Löderburger gibt es eine Kleine und eine Große Kippe. Es musste der Kippberg unterbrochen werden, da der Weg und die Rossbahn zu den Gruben Paul, Philipp und Rudolph nicht geschlossen werden konnte. So entstanden diese zwei Erhebungen der Kleinen und Großen Kippe.

Da im Kohlebergbau eine Wasserhaltung notwendig ist und die Kohle vom Wasser befreit werden musste, hat man Entwässerungsstollen vorgetrieben. Das anfallende Wasser wurde erst in Kübel und später mit Kolbenpumpen nach oben befördert. Aber wohin damit? Also legte man einen Graben an, der das Wasser in die Bode ableitete. Dieser Graben ging einst bis zum Staßfurter Schütz. Erst mit der Erschließung des Löderburger Tagebaues gab es eine Veränderung, denn das Wasser des Tagebaues musste auch abgepumpt werden, damit die Kohle vom Wasser getrennt wurde. Es gab sogar einige Verbindungsstollen zum Paulschacht vom Tagebau aus. Ein neuer Graben wurde zur Bode angelegt, der sogar eine Fuhrwerküberfahrt hatte, damit die Ackerfläche auf der anderen Grabenseite bearbeitet werden konnte. Mit dieser kurzen Strecke zur Bode hatte der lange Graben zum Schütz keine Bedeutung mehr. Der neue Graben bekam auch bald einen Namen: "Goldbach". Es ist überliefert, dass wegen des goldbraunen Wassers und der goldenen Bergbauzeit, die vielen Menschen Brot und Heimat gab, dieses Bächlein diesen Namen erhielt.

Bis zum Jahr 1918 war man mit dem Abraum beschäftigt. Als man das Kohleflöz freigelegt hatte, wurde mit einem Bagger das Flöz abgeräumt und in kleine Loren verladen, die dann mittels Seilbahn an die Oberfläche gezogen wurden. In der Nähe des jetzigen Parkplatzes des Löderburger Sees befand sich einst die Verladestation. Von dort aus wurde die Kohle auf Fuhrwerken und LKWs verladen. Ein Teil wurde zur Jacobsgrube geschafft. Dort stand bis 1930 die Brikettpresse, denn Hausbrandkohle war auch ein begehrtes Absatzprodukt. Der mit der Erschließung angelegte Tagebaudamm sollte das jährliche Bodehochwasser abhalten. Dieser Damm ist so gut gebaut worden, dass er das Jahrhunderthochwasser 1994 mit menschlicher Unterstützung bestens überstanden hat. Und genau neben diesen Damm fuhr die Kleinbahn. Sie hat den Abraum zur Kippe geschafft. Eine richtige Straße zum Tagebau gab es nicht nur einen Feldweg von der Börnecker Chaussee.

Die Jahresproduktion lag 1923 bei 15.000 Tonnen. Aber die Weltwirtschaftskrise machte auch um die Staßfurter Industrie keinen Bogen. Viele Menschen wurden arbeitslos, da viele Betriebe dicht machten oder auf Sparflamme produzierten. Die Jahresproduktion des Tagebaus ging auf 8.000 Tonnen zurück. Das hatte zur Folge, dass man auch am Tagebau kleine Brötchen backen musste. Von den 135 Beschäftigten brauchte man nur noch 15 für bergmännische Arbeiten und 15 waren mit der Wasserhaltung beschäftigt. Am 24.06.1924 hatte man die Stilllegung des Kohletagebaues beschlossen, aber bis 1930 zog sich die endgültige Schließung noch hin. Die Tiefbaugrube "Jacob" mit ihren Schächten hatte 1926 ihre Kohleförderung eingestellt. Mit der Zerstörung der natürlichen Wasserführung im Boden durch die Erschließung des Tagebaues versiegten in Löderburg alle Brunnen. Es war Eile geboten, denn Trinkwasser war lebensnotwendig für die Menschen und Tiere. Nach vielem Hin und Her konnten dann endlich 1926 die Trinkwasserleitung und die Wassertürme in Löderburg und Athensleben eingeweiht werden. Aber die Streitigkeiten, wer wohl diese Investition bezahlt, gingen bis 1940. Da wurde erst per Gerichtsbeschluss der finanzielle Ausgleich geschaffen.

Der Tagebau hatte einen schlechten Ruf, es herrschten sehr unmenschliche Arbeitsbedingungen. Die Unfallstatistik zeigte in der kurzen Existenz des Tagebaues von 1918 bis 1930 ein ernüchterndes Bild: Bis 1925 gab es 52 schwere und 3 tödliche Arbeitsunfälle. Es wird davon berichtet, dass großer Unmut unter den Arbeitnehmern herrschte. Daraufhin gab es am 18. Februar 1926 eine Zusammenkunft zwischen den Bergleuten und Dr. Ratjinis, um die Dinge, die zur großen Unzufriedenheit aufriefen, abzustellen. Einen großen Makel hatte die Tagebaukohle, sie war salzhaltig und lies sich schlecht verbrennen und die Schlackebildung war enorm. Deshalb sprangen immer mehr Kunden von dem Braunschweigischen Kohlebergwerk ab. Das viele Wasser, was täglich einfloss, sorgte zusätzlich für Probleme. Der Tagebau musste 1930 seine Tore schließen. Die 400.000 Tonnen freigelegte Kohle konnten durch den starken Wasserzufluss nicht mehr gefördert werden.

Das entstandene Loch hatte mittlerweile 39 Hektar Ackerland verschlungen und ein großes Loch von 54 Meter Tiefe war zurückgeblieben, das sich recht schnell mit Wasser füllte. Der inzwischen voll gelaufene Tagebau machte sich in und um Löderburg mit Vernässungen bemerkbar. Zwischen der Gänsefurther- und der Karlstrasse gab es einen Graben, in dem Tagebauwasser floss. Dieser Graben befand sich zwischen dem heutigen NP-Markt und der alten Kaufhalle, verlief von der Hermann-Kasten-Straße über den jetzigen Sportplatz bis zur Bode. Von der Hermann-Kasten-Straße verlief der Graben unterirdisch bis zur Langen Strasse. Dort war er wieder ein offener Graben und er nahm seinen Verlauf am Haus von Burghard Wagner vorbei in den Schachtgraben. Gedacht war der Graben einmal, dass bei starkem Regen das Wasser ablaufen kann. Hier waren auch die ersten Stellen, die sich bei Hochwasser sofort füllten. Man erkannte schnell, dass Löderburg vom Tagebauwasser entlastet werden muss. Deshalb wurden 1937 zwei starke Pumpen aufgestellt, um den Pegel auf ein bestimmtes Niveau zu halten.

Durch den starken Zufluss und durch das ständige Abpumpen reinigte sich das Wasser bald und ein großer See mit glasklarem Wasser entstand. Die Menschen um und aus Löderburg hatten gleich Besitz von diesem Geschenk genommen, auch wenn überall Schilder standen: "Baden und Betreten verboten, Bergbaugelände!". Aber keiner nahm Notiz davon. Der Volksmund hatte das Wort "Tagebau" gleich auf den See übertragen. Bis heute ist "Tagebau" bei vielen Einwohnern von Löderburg noch im Sprachgebrauch zu finden. Dieser Begriff "Tagebau" sollte so langsam aus dem Sprachgebrauch verschwinden, denn an einen Tagebau erinnert hier nichts mehr. Es ist ein See entstanden, der mit seinem klaren Wasser in die Landschaft passt, als sei er immer schon da gewesen. Und er soll auch als Löderburger See bezeichnet werden denn er ist nur einen Steinwurf vom Ort entfernt.

Um der geschundenen Bergbaulandschaft wieder ein Gesicht zu geben, wurde 1949 am ehemaligen Starenbusch aufgeforstet. Er war dem Brennmaterialmangel 1945 zum Opfer gefallen. Es ist schon paradox, 400.000 Tonnen freigelegte Kohle werden von sieben Millionen Kubikmeter Wasser bewacht, dass ist Ironie der Geschichte. Da kommt uns Karl May in den Sinn mit seinem "Schatz im Silbersee". In Nacht- und Nebelaktionen wurde ein Baum nach dem anderen gefällt, da nützte auch kein Feldhüter etwas. Die damaligen Jungen Pioniere mit ihren blauen Halstüchern wurden 1949 und unter Anleitung von Junglehrerin Alice Zachow (Bartels) - welche ihr Examen als Biologielehrerin absolvierte - und Feldhüter Erich Skubowius (mit Spitznamen "Spatzenschreck") beauftragt, wieder einen Starenbusch zu pflanzen. Wer von den Kindern 10 Löcher ausgehoben hatte, bekam ein Schrotbrötchen als Anerkennung für seinen Fleiß. Viele der damaligen Schüler können sich bestimmt noch an diese "Pionier - Leistung" erinnern.

Die Aufforstungen auf der Kippe waren inzwischen zu einem Wald herangewachsen und zogen Naturfreunde an wie der Honig die Bienen. Die aufgestellten Bänke luden den Wanderer ein, in dem neu entstandenen Wäldchen einwenig zu verweilen. Ende der fünfziger Jahre zogen dunkle Wolken über unseren geliebten Tagebau. Es gab ein Projekt, den Tagebau wieder zu nutzen. In den letzten Jahren hatte man eine Technologie entwickelt, wie man salzhaltige Kohle industriemäßig verarbeiten konnte. Eine Straße wurde gebaut und ein Gleis von Börnecke zum Tagebau verlegt. Verwaltungsgebäude entstanden, da wo später der "Knast" war. Überall von Egeln bis Löderburg wurde nach Kohle gebohrt; man errechnete, dass 700 Millionen Tonnen Kohle unsere Börde versteckt hält. Der Thie und Athensleben sollten die ersten Opfer sein. 1959 wurde eine Pumpstation am Tagebau installiert. Auf Pontons standen die Pumpen, die den Wasserspiegel täglich um fünf Zentimeter senkten. Als Ersatzwohnungen für die 450 Menschen vom Thie, die Häuser sollten ja der Kohle geopfert werden, wurden die Neubauten - Wohnblöcke - in Löderburg und Schneidlingen errichtet. In beiden Orten sollten 500 Wohnungen entstehen. 1960 sollten bereits die ersten 175 Wohnungen in Löderburg übergeben werden, aber im Frühjahr 1961 war es dann soweit. Der Aufkauf der Häuser vom Thie hatte begonnen. In drei Bauabschnitten sollte die Bode auf vier Kilometer verlegt werden. Sie sollte in Rothenförde ihr Bett verlassen, über die Lust und hinter dem Thie und dann in Höhe der Heyer-Straße wieder in das alte Bett fließen. Es war sogar ein Kanal zur Saale geplant, auf dem die Kohle verschifft werden sollte. Ab 1961 sollten Großgeräte für die 800 Arbeitskräfte zur Verfügung stehen. Die DDR - Regierung hatte 100 Millionen DM für die Erschließung geplant. Von 25 Hektar Land sollte der Tagebau das Erdreich jährlich brauchen, auf der einen Seite Kohle fördern und auf der anderen Seite wieder das Land rekultivieren. Die Magdeburger Fischer, die vor der Leerung mit Netzen den Tagebau abfischten, brachten ein mageres Ergebnis. Die großen Fische waren alle verschwunden. Es wurde vermutet, dass sie sich in die Stollen verkrochen hatten. Der Tagebau war leer gepumpt und viele Aktivitäten waren in Gang gesetzt. Da wurde plötzlich im Mai 1961 das Vorhaben aufgegeben. Hinter vorgehaltener Hand wurde getuschelt, dass der Erfinder der salzhaltigen Kohleverbrennung in die damalige BRD geflüchtet wäre und das Patent mitgenommen hätte. Ob an dieser Geschichte etwas Wahres ist, entzieht sich meiner Kenntnis. Aber der erklärbare Grund des plötzlichen Stopps war wohl, dass im Parteitag der Beschluss gefasst wurde, dass die DDR - Industrie in Zukunft mit russischem Erdgas und Erdöl versorgt werden sollte.

Nun begann das Spiel des Volllaufens des Tagebaues von neuem. Alle Löderburger warteten sehnsüchtig darauf, sich wieder in ihrem geliebten Tagebau vom Alltagsstress erfrischen zu können. Sie waren ja durch das klare Wasser verwöhnt. Dass aus diesem künstlich entstandenen See ein Platz für Entspannung Suchende geworden ist, haben wir dem damaligen Bürgermeister von Löderburg - Werner Danneberg - zu verdanken. Er hat den Grundstein für das NEZ (Naherholung - Zentrum) gelegt. 1974 - 1975 begann die Planung für ein Erholungszentrum. Am 16. Juli 1977 wurde dann die Einweihung feierlich vollzogen.

Gefeiert wurde in der Gaststätte am Sportplatz, denn für die vielen ehrenamtlichen Helfer war am NEZ nicht genügend Platz. Das NEZ, wie es jetzt hieß, war nun geboren und wurde ein fester Bestandteil der Gemeinde Löderburg. Es wurde gebaut und gepflanzt, Rasenflächen wurden angelegt. In den ersten angeschafften Strandkörben suchten die Badelustigen vor der Sonne Schutz, denn Bäume und Sträucher waren noch zu klein. Hansi Großmann und seine Mitstreiter haben in den folgenden Jahren eine Einrichtung geschaffen, die heute vielen Besuchern Erholung bietet. Aber die Gewitterwolken über das inzwischen schöne Bad zogen sich schon wieder zusammen, denn am 30.09.1987 wurde im Bezirkstag eine Arbeitsgruppe gebildet, die sich um die Erschließung des Tagebaues kümmern sollte. Die 700 Millionen Tonnen Kohle, die unsere Börde in Verwahrung hat, ließ einigen Leuten keine Ruhe. Man wollte das Kohlegeschäft ganz groß aufbauen. Für 25 - 30 Jahre hatte man die Förderung eingeplant, 2007 sollte mit der Kohlegewinnung begonnen werden. Wäre es dazu gekommen, hätten Egeln und Westeregeln auch daran glauben müssen. Durch die Wiedervereinigung wurde das Projekt Löderburger Tagebau endgültig aufgegeben und hoffentlich für immer im See versenkt. Nach der Wende wurde einiges im NEZ durch die Gemeinde modernisiert, aber das Bad blieb ein Zusatzgeschäft für den Gemeindehaushalt. Das Deutschland, wo wir jetzt wieder dazu gehören, wird von der Marktwirtschaft dirigiert, und das heißt, alles muss "sich tragen", so auch dieses Bad. Es mussten Wege gesucht werden, um das Bad zu privatisieren. 1997 wurde der Ferienpark Löderburger See GmbH gegründet. Diese Gesellschaft hat begonnen, dem Bad ein modernes Gesicht zu geben. Es wurde schon einiges erneuert und modernisiert, um das Bad attraktiver zu gestalten. Der aufmerksame Gast hat es sicher bemerkt.

Am 01. Juli 2001 übernahm die Gemeinde wieder das Bad. Der Bürgermeister und Gemeinderat haben ehrgeizige Pläne, das Bad am Löderburger See so herzurichten, dass es für den Besucher nicht nur Schönwetter-Freuden erfüllt. Eine Wasserskianlage ist entstanden, mit der sich jung und alt fit für die Anstrengungen des Alltags machen können. Der Zeltplatz und die Rutsche sind in der Planung und noch vieles mehr steckt in den Köpfen von Planern und Verantwortlichen, um die Attraktivität zu steigern. Aber wie jedem bekannt ist, hängt alles vom Geldbeutel ab. Seit 2001 ist die Gemeinde in das Programm der Lokale aufgenommen. Wenn alles klappt, könnte am Löderburger See eine ganze Menge repariert werden und Neues entstehen. Eine Dienstwohnung, die zurzeit im Bau ist, soll die Sicherheit erhöhen und Diebesgesellen abhalten. Denn drei Einbrüche in einer Woche mit großer Zerstörung sind auch für die Gemeinde nicht finanzierbar. Für die Sicherheit der Wanderer und Erholung Suchenden wird viel getan. So wird in diesem Jahr noch der Steilhang am Westufer auf 400 Meter abgeschrägt. Für die Seeschwalben sollen zwei Steilwandstreifen von je 40 Meter stehen bleiben, die vom Wasser und Land aus gesichert werden.

Um das Gleichgewicht von Mensch und Natur in ein vernünftiges Maß zu bringen, soll auf einen Wanderweg um den See verzichtet werden. Denn Tiere haben auch ein Recht, auf dieser Erde in Frieden leben zu können. Wie arm wäre die Menschheit ohne sie. Das Börnecksche Trinkwasser aus den artesischen Brunnen wird nicht mehr gebraucht. Wir werden seit einiger Zeit mit Heidewasser versorgt. In Börnecke sprudeln täglich 8.500 Kubikmeter Wasser aus der Erde. Dieses Wasser läuft in den Goldbach und von dort ergießt es sich in die Bode. Damit ist ein Problem geschaffen, wenn die Bode Hochwasser hat. Der Schieber am Goldgraben - Bode wird geschlossen und das Wasser von Börnecke kann nicht mehr abfließen oder überflutet Ackerflächen. Nun hat man sich dazu entschlossen, dem Goldbach wieder sein altes Bett bis zum Schütz zu geben.

Der Löderburger See hat eine Länge Nord - Süd von 1000 Meter und West - Ost von 650 Meter. Das Wasservolumen beträgt 6,5 Millionen Kubikmeter. Durch den hohen Zufluss, der an einem Tag den Wasserspiegel um zwei Zentimeter anhebt, wird praktisch das Wasser in einem Jahr ausgetauscht. Für den Löderburger Haushalt sind das in Zahlen ausgedrückt 25.000 Euro Belastung im Jahr. Wasseruntersuchungen bestätigen dem Löderburger See eine sehr gute Wasserqualität. Bis 15 Meter Tiefe hat der See ein reges Leben an Fischen und Pflanzen. Unterhalb der 15 Meter gibt es eine salzhaltige, sauerstofffreie Zone, wo sich kein Fisch hin wagt. Durch den großen Wasserzufluss hat der See einen sehr hohen Reinigungsgrad und dadurch eine Eins-A-Wasserqualität. 400 Kubikmeter werden stündlich abgepumpt, damit der Wasserstand von 61,5 m HN gehalten wird. Aber damit finanziert die Gemeinde Löderburg eine Wasserhaltung für die umliegenden Orte.

Ein Besuch des Bades lohnt sich allemal, auch bei trübem oder frostigem Wetter. Bei frostigem Wetter laufen die Schwäne und Blesshühner über das Eis, für die Muttis mit ihren Sprösslingen ist es ein Besuch wert. Im Frühling kann man in aller Ruhe die erwachende Natur erleben und nur zur Probe einmal den Fuß in das noch viel zu kalte Wasser stecken; im Sommer die Quirligkeit der Badelustigen beobachten, wie sie Wasser und Bad genießen oder sich selbst in die erfrischenden Fluten stürzen. Der im Mai 1997 gegründete Fremdenverkehrsverein "Löderburger See" fragt in seiner Werbung: "Warum kennen Sie uns noch nicht?" Eine berechtigte Frage! Kennen Sie, lieber Leser, den Löderburger See? Ein Besuch lohnt sich allemal, es ist kein verlorener Tag für den, der den See besucht. 2002 feierte das Bad Löderburger See sein 25 -jähriges Jubiläum.

Dass für eine aktive Freizeitgestaltung gesorgt wird, ist ohnehin bekannt. Schwimmen, Rudern, Wasserski und Wandern oder einfach nur Dasitzen und den Tag genießen, sind Lebensfreuden, die der Löderburger See bietet. Aber das ist noch nicht alles. Es gab noch ein anderes Jubiläum. Auch der Marine-Club feierte 2002 sein 50-jähriges Bestehen. Er ist entstanden aus der GST (Gesellschaft für Sport und Technik). Nach der Wende wurde ein Verein gegründet und heißt heute "Löderburger Marine - Club e.V.". Der Marine-Club ist durch das schon zur Tradition gewordene Kutterrennen über Sachsen-Anhalt hinaus bekannt. Die Teilnahme ist so enorm, dass man an die Grenzen des noch Durchführbaren angekommen ist. Aber wie wir die 20 Süßwassermatrosen kennen, fällt ihnen auch dazu wieder eine Lösung ein. Nun können wir nur noch auf schönes Wetter und viel Besucher hoffen, damit alle die Schönheit und das klare Wasser des Löderburger Sees genießen können.

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